Requiem

Ich würde gerne was hinterlassen für die Nachwelt. Kein Geld oder so, sondern was Bleibendes. Wenn ich schreiben könnte, würde ich höchstwahrscheinlich ein Buch veröffentlichen. Ich würde gerne schreiben können, so richtig, aber leider wird mir schon bei dem Gedanken daran, dass ich anderen mein Geschreibsel zumute schlecht. Also KEIN Buch. Ich mache Musik, vielleicht produziere ich ja mal eine CD, aber das was dann da drauf sein wird, gab’s alles schonmal, ist nicht meins. Vielleicht lerne ich ja komponieren, so richtig, und dann schreibe ich ein Requiem. Also doch schreiben, aber anders. Musik ist nichts anderes als Literatur, gelebte, gefühlte Literatur. Dann habe ich so ein ganz eigenes Requiem bei meiner Beerdigung, ein authentisches Werk von mir. Authentisch sein will ich schon, kann ich aber nicht. Ich glaube, wenn das mit dem Versuch von Schnitzler wirklich funktionieren würde wäre ich glücklich. So ganz ohne Erzähler, anderer Vermittlungsmodus und so, aber leider mit Beobachterparadoxon. Immer müssen Gedanken über meinen Mund in die Aussenwelt, das ist anders. Ich bin anders, als das, was ich sage. Ich denke anders, also bin ich anders. Aber vielleicht bin ich doch schrecklich normal und konform und kein wenig besonders. C’est la mauvaise foi, wie Sartre sagen würde, und ich denke, denke, denke vieles aber nichts richtig! Trotzdem, ein eigenes Requiem wäre fein.

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