Männer und Mädchen

Mein lieber alter Herr, als wir das letzte Mal telefoniert haben, habe ich dir von meinem Blog erzählt (manchmal rede ich einfach zu viel). Ich habe gesagt, vielleicht lese ich dir beim nächsten Mal was vor, du hast gesagt, dass du da ja bestimmt auch Erwähnung findest; Irgendwie stimmt das auch, aber eigentlich auch nicht, wenn, dann mehr so am Rande und sehr allgemein gehalten; fassen wir das mal unter der Rubrik „Männer“ zusammen.

Nicht nur junge Damen sind neugierig, auch alte Herren, da bin ich mir doch ziemlich sicher. Nun denn, das hier wird dein erster ganz eigener Blogeintrag. So, und jetzt weiß ich schon nicht mehr, was ich schreiben will, also natürlich fällt mir da schon das eine oder andere ein, aber sollte ich tatsächlich die Courage haben, dir das hier vorzulesen, dann muss ich mir das schon genauer überlegen. Du wirst jetzt neben mir sitzen, mich angucken, mit diesem Lächeln, was ich dir frecher Weise immer als grinsen vorwerfe, und was mich immer so ein bisschen verunsichert, weil ich dann nicht weiß, was du gerade denkst, das aber schon gerne wissen würde. Ich werde mir gerade in diesem Moment überlegen, was zum Teufel mich geritten hat, das hier überhaupt zu schreiben, geschweige denn dir vorzulesen. Allerdings liege ich zum Zeitpunkt des Verfassens krank im Bett, zur Not schieben wir es auf den Fieberwahn.

Das sind jetzt schon 253 Wörter und ich habe erbärmlich wenig hervor gebracht. Ich könnte was über „unsere“ (die Anführungszeichen kannst du jetzt nicht sehen, aber dieses „uns“ finde ich irgendwie blöde, und auch ein bisschen unberechtigt) erste Nacht schreiben, denn in allen folgenden warst du ja auch dabei, respektive da kannst du dich dran erinnern. Du hast mich damals gefühlte 50 mal gefragt, warum ich denn so unsicher sei, und mir mit einer an Penetranz grenzenden Nachdrücklichkeit „vorgehalten“, wie schön ich sei. Kurz hatte ich den Drang mit irgendwas nach dir zu werfen, einem Kissen oder so (ich ahnte schon damals, wie wehleidig du bist), fand das dann aber doch unangebracht. Ich ahnte tatsächlich nicht, dass du SO betrunken warst, wie du es später erzählt hast. Das mit der Unsicherheit meinerseits stimmte zwar (also bitte, ich gehe auch nicht jede Woche mit jemandem mit, der mein Vater sein könnte; oder von mir aus auch mein Bruder; so rein alterstechnisch), allerdings war die Zeit, die du gebraucht hast, um mich zu fragen, ob ich dich ins Hotel begleite, auch nur mit enormer Unsicherheit zu begründen (hach, in der Bar, war ich nämlich noch super selbstsicher, naja gut und vielleicht ein bisschen, ein süßes Mädchen, dass sich von antiquierten Berufen beeindrucken lässt).

Ich könnte dir auch davon berichten, was ich von dir denke, wenn du nicht neben mir sitzt oder liegst. Ja, das würde dich bestimmt interessieren. Das dem so ist, lassen wir mal diskussionslos so stehen. Wenn du da bist, ist es ganz ausnahmslos „nett“ mit dir, du bist „nett“, ich finde dich „nett“, alles prima („nett“ auch wieder in Anführungszeichen, das trifft’s ja nun auch nicht so ganz). Wenn du nicht da bist, ist das nicht immer so. Dann ist nicht immer alles so einfach für mich mit dir, aber dir das hier in Schriftform vorzusetzen wäre feige, das müssen wir beide schon miteinander klären. Ausserdem wollte ich was nettes schreiben, was worüber du dich freust, vielleicht so ein bisschen zumindest. Also, natürlich habe ich auch freundliche Gedanken für dich übrig, wenn es draussen hell und warm ist, ich gerade eine nette Sms (über die freue ich mich immer) von dir bekommen habe, oder sonstwie gut drauf bin, oder wenn eines unserer nächsten Treffen kurz bevor steht. Vielleicht wüsstest du auch gerne, was ich an dir mag. Ich mag die Fältchen um deine Augen, wenn du lächelst, die davon erzählen, dass du schon so vielmehr erlebt hast als ich, und ich mag, dass du so anders bist als ich, ruhig und gelassen, und ehrlich gesagt hält sich deine Spießigkeit auch in Grenzen. Alles in allem, kann ich dich ganz gut leiden.

Nun gut, so viel erstmal zu dir, oder vielmehr zu „unserer“ „Beziehung“ (beides ganz akkurat mit Anführungszeichen versehen). Vielleicht verkaufe ich die Geschichte ja später mal an die Kronen-Zeitung, und wo wir schonmal dabei sind auch noch an die „Bild“, jaja, zusammen mit dem Polaroidfoto (siehste war doch ein Fehler, mir das zu „bewilligen“).

Bis dahin verbleibe ich mit einem Küsschen :*

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