Bauchgefühl

Mir ist oft schlecht, dann habe ich weder Hunger noch Appetit. Diese Appetitlosigkeit kompensiere ich jedoch ab dem Moment, wo mein Bauch nicht mehr rumspackt so dermaßen gut, dass man mir meine Enthaltsamkeit nicht ansieht. Mein Bauchgefühl rührt nicht etwa von körperlichen, sondern von psychischen Beschwerden her. Schlecht ist mir immer dann, wenn ich entweder ein anstehendes Rendezvous habe, mich in einer unangenehmen Situation jeglicher Art befinde, Wettbewerbe habe oder irgendetwas nicht erledigt habe (siehe Problemzonen). Ich kann dann nachts nicht schlafen und tagsüber stehe ich unter Strom, manchmal mischt sich dieses unangenehme Gefühl mit erwartungsvollem Kribbeln, das ich selten richtig einordnen kann. Dieses Kribbeln lässt mich die Nahrungsaufnahme sowie alle anderen lebenserhaltenden Maßnahmen vergessen, und erklärt statt dessen meist technische Geräte, wie mein Laptop (vor allem aber die damit geführten virtuellen Unterhaltungen) und mein Handy für unentbehrlich. An diesen Tagen verlasse ich nur ungern mein Zimmer oder gar das Haus. Gepaart mit diesem Gefühl, dass einige Menschen auch „Schmetterlinge im Bauch“ nennen stellt sich oft ein dümmliches Dauergrinsen ein, das unkontrollierbar scheint. Meine Prioritäten verschieben sich klar und jeder Idiot erkennt eine gewisse Veränderung. Früher, vor allem als ich noch keine technischen Geräte hatte, waren das die Tage, an denen ich Tagebuch geschrieben habe. Für diese Tage (siehe Wahlbiografie) schäme ich mich nachhaltig, weshalb ich nachdenke mir die Scham als nachhaltige und jederzeit erneuerbare Energie  patentieren zu lassen. Solche Phasen könne Stunden, Tage, Wochen und manchmal Monate andauern. Ich erinnere mich dunkel an zwei Wochen Ferien, die ich vor meinem Laptop und am Telefon verbrachte. Gebracht hat es mir außer einer ordentlichen Portion Herzschmerz und Seitenweisen gespeicherten Unterhaltungen, die mein Speichervolumen verringern, nichts. Im Winter eine halbe Stunde in kurzem Kleidchen zu auf der Straße zu warten gehört ebenso dazu, wie stundenlanges Schminken und ein absolut würdeloses Anschmachten des Gegenübers. Nach solchen Phasen empfinde ich immer eine große Leere, die mir klar macht, dass mir das doch eigentlich alles zu stressig ist, ich immer nur montags Lust darauf habe und ich mit mir selbst immer noch am Besten klar komme. Ich werde mir meines würdelosen Verhaltens bewusst und schwöre mir, mich nie wieder so widerwärtig zu benehmen … diese Versprechen funktionieren immer Bestens … bis zur nächsten anstrengenden „Bauchgefühl-Phase“!

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